Katze entlaufen

Jedem halbwegs verantwortungsvolle Katzenbesitzer rutscht das Herz in die Hose, wenn die Katze entlaufen ist. So ist es auch mir passiert. Mein Kater ist beim Tierarzt (!) abgehauen. Genauer gesagt: auf dem Weg vom Tierarzt zum Auto. Er war in einer der ach so tollen Transportboxen untergebracht. Diese war mit allen Klemmen verschlossen, so dass das Ausbrechen eigentlich unmöglich erscheint. Wie gesagt: eigentlich. Als der Kater nämlich auf dem Rückweg von der – für Katzen ach so schlimmen Tierarzt-Prozedur – für eine Sekunde (!) neben dem Auto abgestellt wurde (zum Aufschließen), drückte er sich durch den verschlossenen Käfig. Er bog die Gitterstäbe des Deckels einfach nach oben und drückte sich zwischen Transportkäfig und der (ansonsten) soliden Box durch. Dabei hätte er sich fast stranguliert – wäre er nicht so schnell gewesen. In voller Panik hat er dann das Weite gesucht.

Heute – 13 Tage später – haben wir ihn wieder eingefangen. Diese Erfolgsstory wollte ich Euch nicht vorenthalten und zudem gebe ich Euch mit diesem Beitrag noch ein paar Praxistippe, was man machen kann, wenn der Kater oder die Katze entlaufen ist.

1.) Bilder raussuchen. Bilder der Katze / des Katers sind besonders wichtig für die Wiedererkennung – insbesondere durch Dritte, die das Tier nicht kennen.

2.) DIN A4 Plakate erstellen (inkl. der o.g. Bilder) und unten abreißbare Telefonnummer-Zettelchen dranpacken. Zusätzlich die Rufnummer nochmals auf das Plakat schreiben (falls alle Zettel weg sind). Man soll es kaum glauben, aber nachdem wir das halbe Viertel mit 50 dieser Plakate vollgepflastert haben (Laternen eigenen sich dazu sehr gut), waren die ersten Zettel bereits abgerissen. Zum Ende der Aktion haben wir kaum noch Plakate mit Zettelchen gefunden – meist waren alle vergriffen – trotz Austausch der Plakate zwischendurch. Ach ja: im Winter eignen sich durchsichtige Folien (Öffnung nach unten in Richtung der Zettelchen) um Wind, Schnee und Regen abzuhalten. Damit sind die Plakate auch nach Wochen noch gut lesbar!

3.) Alle Tierärzte und Tierheime in der Umgebung informieren und Plakat zufaxen, vorbeibringen und/oder anhängen. Man soll es kaum glauben: ALLE die wir gefragt haben, waren dabei! Die Aussage war immer dieselbe: wenn jemandem ein Tier zuläuft, bringt er es als erstes zum Tierarzt. Klingt logisch! Ist auch so!

4.) Falls möglich sollte man den Tierarzt seines Vertrauens bitten, dass man die Anschrift und Praxis-Rufnummer auch auf die Plakate drucken darf. Bei uns hat sich gezeigt, dass jede Menge – insbesondere ältere Leute – sich zwar keinen Zettel abgerissen hatten, aber dennoch wussten, wie der Tierarzt hieß und deshalb kurz im Telefonbuch nachgeschlagen haben und dann per Telefon der Praxis mitgeteilt haben, dass sie den Kater gesehen haben! Dieser Tipp hat schlussendlich auch dazu geführt, dass wir unseren Kater wieder gefunden haben!!!

5.) Leute in der Umgebung des Verschwindens informieren. Wir haben alle Bekannten/Verwandten/Freunde etc. kontaktiert, so dass sich das Ganze wie ein Lauffeuer verbreitet hat.

6.) Wenn Anrufe eingehen, dass der Kater gesehen wurde, nicht hysterisch werden. Gerade bei Katzen mit geläufiger Fell-Farbe muss man von einer Verwechslung ausgehen. Deshalb: hinfahren, mit Leckerlis ködern, rufen, gucken und hoffen, dass man den Streuner findet. Falls man davon ausgehen kann, dass die Sichtung wirklich mit der entlaufenen Katze zu tun hat, sollte man in dieser Umgebung Tag für Tag (Kontinuität ist ganz wichtig!!!) herumlaufen, rufen und suchen. Zudem empfiehlt es sich, an der Sichtungsstelle oder in der Nähe ein bischen Fressen zu verteilen. Optimal ist in diesem Zusammenhang auch der „Decken-Test“. Gerade, wenn eine Katze eine „eigene“ Decke hat, auf der sie liegt, so erkennt sie diese Decke wieder. In der kälteren Jahreszeit ist diese Decke ein willkommener Anlaufpunkt um sich aufzuwärmen. Findet man dann auf der Decke Haare, die dem Kater bzw. der Katze zugeordnet werden können, so kann man davon ausgehen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Kater handelt. Wichtig: das ausgelegte Fressen sollte an unauffälligen Stellen deponiert werden und täglich kontrolliert werden, ob es noch da ist. Sicher – man läuft so Gefahr, die Katzen der halben Nachbarschaft durchzufüttern – aber trotzdem gibt es Sinn. Wenn das Fressen am nächsten Tag weg ist, sollte es unbedingt wieder aufgefüllt werden. Tag für Tag. So konditioniert man die Katze und macht ihr klar: komm dann und dann da hin und es gibt was zu fressen. Und genau das hat bei uns gewirkt!

7.) Zusätzlich kann man noch eine Anmeldung beim Tasso e.V. vornehmen. Gerade, wenn Katzen entlaufen gucken viele Tierliebhaber erstmal bei tasso. Das selbe gilt für Tierärzte! Deshalb: einfach kurz anmelden!

8.) Nun heisst es abwarten, Tee trinken und so viel und so oft wie möglich nach der Katze suchen. Je öfter man unterwegs ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die Katze wieder bekommt. Um es nochmals zu unterstreichen: wichtig ist die Kontinuität. Fressen auffüllen, nach der Katze rufen usw. muss immer zu ähnlichen Zeiten erfolgen. Gerade,w enn sich Katzen in einem fremden Terrain aufhalten, kann man davon ausgehen, dass sie sich tagsüber verkriechen und Schutz suchen. Morgens, abends und nachts hat man mit Abstand die besten Chancen, den Streuner wieder zu finden. Deshalb: die Suchstrategie dahingehend verfeinern, dass man mindestens diese Tageszeiten abdeckt. Je mehr Leute mitsuchen, desto besser. Erfahrungsgemäß bringt es aber nichts, „Fremde“ suchen zu lassen, sondern nur Bezugspersonen. Denn nur diese haben bei einem verwirrten und ggf. stark verängstigten Tier (Stichwort: vorher beim Tierarzt gewesen) eine Chance, es anzulocken.

9.) Meist besitzen Vereine wie „Tiere in Not“ Fallen für kleine Tiere. So hatte unser örtlicher Tiere in Not Verein auch eine Katzenfalle. Falls man den Kater bzw. die Katze nicht einfangen kann (zu schnell, schlechtes Gelände, Privatbesitz etc.), dann gibt es Sinn, die Falle da aufzustellen, wo man das Futter deponiert hat. Auch hier wieder: Decke in die Falle und rund herum gut tarnen. Achtung: da eine Falle kein Spielzeug ist, sollte man a) die nächsten Anwohner über die Falle informieren (sicher ist sicher), b) diese regelmäßig (alle halbe Stunde) kontrollieren oder diese sogar im Blickfeld haben und c) einen Zettel an die Falle hängen, der den Sinn erklärt. Der Zettel sollte die Anschrift und die Telefonnummer beinhalten (nicht, dass die Polizei noch wegen vermeintlicher Tierfänger ermittelt) und d) die Falle unbedingt gut abhängen/tarnen, so dass alle Seiten und die Decke bedeckt sind. Alles andere wäre Tierquälerei! Ach ja: in der Regel erklären die örtlichen Vereine das Handling oder schwärmen selbst aus ;-). Nofalls kann man so eine Falle auch für um die 50 Euro per Internet bestellen.

Tipp: Wenn die Katze dann angelaufen kommt, auf keinen Fall voreilig handeln. Anlocken, füttern und dann mit einem gezielten Griff in den Nacken packen. Zack. Dann hat man sie/ihn wieder … und so sollte es ja auch sein! 🙂

In diesem Sinne: allen Tierbesitzern, die ein Haustier vermissen: Kopf hoch! Mit ein bischen Glück und Engagement hat man gute Chancen – selbst in (wie bei uns) scheinbar ausweglosen Situationen (fremdes Terrain, Winter, kalt, nass, kaum Futter).

Viel Glück!

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